Die Pilgerreise auf dem Camino de Santiago - Eine kleine Odyssee

 

Die Pilgerreise auf dem Camino de Santiago - Eine kleine Odyssee

Die Sonne kriecht langsam über die nebelverhangenen Hügel Nordspaniens, als ich meinen Rucksack justiere und die ersten Schritte auf dem berühmten Jakobsweg setze. Heute scheint die Sonne, morgen kann es aber wieder regnen, wer weiß das schon; nicht umsonst heißt der Norden auch "Die grüne Küste", Wasser, Regen, Schauer und Gewitter sind hier im Norden willkommene Gäste.
Meine Familie kommt ursprünglich aus Cabuerniga, ein wunderschönes Tal in Kantabrien. Immer grün, immer blau, oft regnerisch, aber auch fast immer sonnig. Kurz gesagt: Cabuerniga, wunderschön.

Der Weg nach Santiago. Jeder Schritt ist ein Versprechen, jede Etappe ein neues kulinarisches Abenteuer. Mein Vater Francesco - der ein wahrer Genussmensch mit der Seele eines Wanderers ist - schreitet neben mir, seine Augen funkeln vor Vorfreude auf die kommenden Köstlichkeiten. Er liebt es, gut zu Essen. Er hatte sein ganzes Leben lang, gemeinsam mit meiner Mutter, eine der besten Adressen in Karlsruhe. Ristorante "San Marino", klein, aber fein.
Er denkt genauso wie ich: jede kleine Etappe muss als Krönung eine "Tapa und eine Cerveza" oder "una copa de vino" haben.
Das treibt uns voran.

Auf dem Weg nach Santiago de Compostela erwarten uns Gerichte, Fisch, Fleisch oder Gemüse - sie sind Geschichten, erzählt in Aromen und Texturen. Eine Muschelplatte, serviert in einer cremigen Tomaten-Wein-Sauce, mit reichlich Knoblauch,  begleitet von einem eisgekühlten Albariño-Wein (Siehe Foto) - das ist mehr als ein Mahl, das ist eine Offenbarung. So lecker. Die weißen Muscheln liegen wie Perlen auf dem Teller, jede einzelne ein Gruß des Meeres, jede Sauce ein Gedicht der baskischen Küche.

Von Etappe zu Etappe verwandelt sich unsere Pilgerreise in eine gastronomische Entdeckungsreise. Ein rustikaler Eintopf ( Cocido Montanes in Asturien, Picos de Europa) in einem kleinen Bergdorf, der Duft von langsam geschmortem Lamm, knusprige Empanadas, gefüllt mit Würsten und Gewürzen - jeder Bissen erzählt eine Geschichte von Tradition und Handwerkskunst.

Die Strapazen des Weges scheinen auf wie von Zauberhand getilgt, sobald wir an einem der zahlreichen Rastplätze Halt machen. Ob ein einfacher Salat, garniert mit lokalem Olivenöl, oder ein üppiges Fleischgericht - jede Mahlzeit ist ein Fest für die Sinne, eine Belohnung für unsere wandernden Füße.

Francesco lacht, nippt an seinem Weißwein und erzählt Geschichten von früheren Pilgerreisen. Seine Augen leuchten, wenn er von den Begegnungen am Wegesrand spricht, von den Menschen, die ihre Küche und ihr Herz für Fremde öffnen.

Der Jakobsweg ist eine Einladung, das Leben in vollen Zügen zu genießen, jede Etappe als Geschenk zu betrachten. Und während wir weiterwandern, wissen wir: Die wahre Pilgerschaft geschieht nicht nur mit den Füßen, sondern mit allen Sinnen.

Unser nächstes Ziel wartet - mit neuen Aromen, neuen Geschichten und der unbändigen Vorfreude auf das, was kommen wird.



Mein Vater Francesco strahlt. So macht wandern Spaß.
Muscheln, frisch aus dem Atlantik um die Ecke, und dazu ein wunderbarer Weißwein von Martin Codax.


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